Die vergangene Woche war einfach perfekt. Und jetzt sitze ich mitten in der Wüste, Sand überall, Heuballen fegen über die Straßen...
Aber der Reihe nach.
Quito
18.-21.6. waren Christian und ich in Quito. Ich machte nicht wirklich viel; toll war der Besuch des Pichincha-Plateaus oberhalb der Stadt auf 4100-4300m. Nach dem Aufstieg mit der Seilbahn wanderten wir einen Nachmittag dort herum; der geringe Sauerstoffpartialdruck war merklich spürbar.
Als schlechtes Wetter aufzog waren wir praktisch auf Augenhöhe!
Vilcabamba
Mit dem Nachtbus ging es am 21. nach Cuenca. Die Stadt ist schön, aber ein bisschen fad. Wir kauften uns beide die berühmten Homero-Ortega-Panamahüte und fuhren am nächsten Tag schon weiter nach Vilcabamba.
Christian wollte nach zwei Tagen schon weiter weil ihm so von Peru vorgeschwärmt wurde; ich dagegen blieb noch weil es einfach zu herrlich war.
Unser erstes Hostel, Jardin Escondido war schon super. Nach 3 Nächten wechelte ich dann ins "Backpacker-Resort" Izhcayluma. Dort war es einfach perfekt.
Wahnsinns Aussicht und Umgebung, tolle Bar, gute Betten, super Restaurant, Obstsalat mit hausgemachtem Brot und hausgemachter Marmelade zum Frühstück, Hängematten, Pool, tolle Leute, Wanderwege in der Umgebung - einfach herrlich. Ich blieb noch drei weitere Tage und gab während dieser Zeit sage und schreibe 97 USD aus! Aber was soll man machen bei einer deutschen Speisekarte und argentinischem Wein...
Während meiner sechs Tage in Vilcabamba ging ich drei mal Wandern und einmal reiten, außerdem war ich joggen. Alles in allem hatte ich wirklich eine bombige Zeit!
Ein langer Tag
Heute, am 29.6. in der Früh stand ich um 4:10 auf, nahm den ersten Bus nach Loja, der nächst größeren Stadt und dann den Bus über die Grenze nach Piura, Peru.
Glücklicherweise klappte alles wie am Schnürchen. Nach 11h Reise kam ich gegen 16:00 in Piura an.
Ich hatte erwartet, dass Peru deutlich kälter wird.
Das genau Gegenteil ist der Fall, zumindest hier in Piura: die Stadt liegt wahrhaftig mitten in der Wüste. Rein optisch wirkt es hier schon sehr anders als in Ecuador. Es gefällt mir eigentlich ganz gut, aber ich kann nicht bleiben, um 23:35 geht mein Flug gen Cuzco.
Ich sitze nun also seit einigen Stunden in einem Restaurant mit WiFi, schlürfe Saft und warte, dass die Zeit vergeht. Der erste Flug geht in nun 3,5h nach Lima, dort habe ich 4,5h Aufenthalt (Begeisterung...), am 30.6. in der Früh geht dann der Anschlussflug nach Cuzco. Dort werde ich Christian wiedertreffen der in der Zwischenzeit ganz Peru im Bus durchquert hat, der Arme.
Nun denn, dann werd ich mal meinen Saft austrinken, was zu essen suchen, dort wieder Zeit schinden, dann langsam ein Taxi an den Flughafen nehmen (hoffen, dass es dort wieder WiFi gibt) und wieder warten...
Donnerstag, 30. Juni 2011
Freitag, 24. Juni 2011
Popayan, Otavalo, Quito - die Reise geht weiter...
Abschied von La Serrana und Popayan - im Bunde ein Dritter
Am Mittwoch, 15., verließen Sebi und ich schließlich La Serrana. Schon seltsam, Abschied zu nehmen, nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Farm.
Die Fahrt nach Popayen zwang uns zu einer Zwischenstation in Cali. Nach über zwei Wochen auf einer Farm mitten im Grünen hätte der Kontrast kaum krasser ausfallen können. Wir waren beide froh als wir diese fürchterliche Stadt schließlich hinter uns ließen.
Nach einem langen Tag im Bus kamen wir schließlich in Popayan an - und waren beide sehr positiv überrascht. Die Innenstadt von Popayan war sehr schön und sauber. Das Hostel das uns von vielen unserer Gäste empfohlen worden war setzte dieses Staunen nur fort: das Park Life Hostel, gerade mal 25 Tage alt, war wirklich toll und die beiden jungen Besitzer wirklich sehr herzlich.
Wir bedauerten nun sehr unseren engen Fahrplan und dass wir nicht länger in Popayan bleiben konnten.
Beim Einkaufen im Supermarkt lernten wir zufällig Christian aus der Steiermark kennen, meinen zweiten Österreicher auf der Reise! Zufällig stellte sich heraus das wir im selben Hostel logierten; so verbrachten wir gemeinsam den Abend und da wir die selbe Route hatten beschlossen wir am nächsten Morgen gemeinsam nach Otavalo zu fahren.
Der Weg nach Otavalo
Die Fahrt nach Otavalo war ein Horror. Statt geplanter neun Stunden brauchten wir 13.
Die Grenze nach Ecuador überquerten wir schon im Dunkeln - meine erste Grenzüberquerung so spät!
Von der Grenze nach Otavlo ging es plötzlich sehr schnell. Kaum waren wir durch das Gewackel des Busses aufs Neue in einen Halbschlaf verfallen wurden wir schon mehr oder weniger mitten auf der Landstraße rausgeschmissen.
Ein Taxi brachte uns zu unserem Hostel. Es war uns von den Gastgebern in Popayan empfohlen worden; die Lage war Serrana-artig etwas außerhalb und erhöht über Otavalo; es klang nett (und es gab wenig Alternativen in der Stadt selbst) und so hatten wir reserviert.
Zumindest dachten wir das. Als der Taxifahrer uns nach 25 min holperiger Fahrt absetzte und gleich wieder abdüste standen wir vor einem komplett dunklen Gutshof.
Wir klingelten mehrere Male, riefen, pfiffen, doch ausser bellender Hunde keine Reaktion.
Um uns herum nichts.
Wir warteten eine gute Viertelstunde ratlos.
Es war mittlerweile 20 vor zwölf.
Zurück nach Otavalo laufen kam nicht in Frage, laut Beschreibung auf der Hostel-Internetseite wäre das eine gute Stunde.
Ein Handy hatten wir zwar, aber der Akku war leer.
Das nächste Haus hatten wir exakt auf halbem Weg gesehen.
Tja.
Glücklicherweise kam kurze Zeit später ein Pick-Up vorbei der uns schließlich in Otavalo absetzte.
Nach ein wenig Suchen (es gab zwar haufenweise Hostels, aber die meisten sahen schäbig aus und keines hatte sichtbar geöffnet) fanden wir schließlich eine mediokre Absteige für 6 USD pro Person.
Cotacachi
Um kurz vor 9:00 am nächsten Morgen verließen wir das Hostel schon wieder und fanden bald ein besseres Hostel.
Den Tag verbrachten wir in Cotacachi, einem Ort nahe Otavalo der wie schon León in Mexiko für seine Lederwaren bekannt war. In dieser Hinsicht enttäuschte Cotacachi: das angebot war deutlich kleiner und zwar teurer, aber auch besser verarbeitet. Auf der Suche nach Stiefeln fand ich nichts und Sebi eine Jacke.
Abends erfuhren wir, dass das Leder gar nicht aus Ecuador kommt. Die Haut stammt aus Argentinien, wird in Marokko zu Leder verarbeitet und dieses schließlich dann in Cotacachi vernäht. Absurd!
Otavalo
Am Samstag stand der berühmte Markt von Otavalo an.
Wir standen um kurz nach 6:00 auf um erst den Viehmarkt zu besuchen - ein wahnsinns Spektakel.
Später schauten wir uns den Rest des Marktes an der letztlich den Rest der Stadt ausmachte. Es gab viele Textilwaren aus Wolle, darunter einiges aus Alpacawolle. Leider mussten wir erfahren, dass diese aus Peru stammt - in Ecuador gibt es kaum Alpacas.
Jeder von uns ließ einiges an Geld da; alle kauften wir uns warme Pullis und ich mir endlich meinen Indy-Jones-Hut!
Am späten Mittag trennten Sebi und ich uns, diesmal endgültig auf diesem Kontinent. Sebi fuhr schon wieder zurück nach Kolumbien, Christian und ich weiter nach Quito.
Weitere Pläne
Christian hat ziemlich die selbe Route wie ich und auch ungefähr den selben Zeitplan so dass wir viel am Planen sind und eventuell zusammen weiterreisen oder uns zumindest immer wieder über den Weg laufen werden.
Mir ist bewusst geworden, dass ich nun weniger als zwei Monate Zeit und noch sechs Länder und einige Tausend Kilometer vor mir habe.
Mein momentaner und wohl relativ endgültiger Plan sieht nun also vor große Strecken zu fliegen und Peru praktisch zu überspringen. auch Brasilien wurde von fünf auf zwei Reiseziele reduziert. Argentinien hatte ich ja eh schon fast außen vor gelassen.
Ich werde mich nun also auf Bolivien konzentrieren - davon schwärmen alle, die von dort kommen.
Zeit ist Geld
Im Laufe des Abends werde ich heute wohl vier Flüge für knapp 600 Euro buchen die mir allerdings mindestens 160 Stunden Busfahrt - 6,5 Tage!!! - ersparen. Im Nachhinein ärgere ich mich sehr, dass ich meinen Rückflug schon von Salvador aus gebucht hatte; andererseits sehe ich dafür eben noch Rio und Salvador. An meinen CO2-Fußabdruck denke ich besser nicht! :(((
el año - Reiseroute auf einer größeren Karte anzeigen
Blaue Linien sind Flüge, Gelb ist die noch vor mir liegende Strecke
Ich werde nun noch zwei Tage in Quito verbringen und dann den restlichen Juni Ecuador durchqueren. Ende Juni wird mich dann mein erster (Heim-)Flug von Piura in Nordperu nach Cuzco bringen.
Die Flüge ärgern mich sehr, aber ich freue mich dennoch auf die restliche Reise. :)
PS: Wegen miserabler Internetverbindungen die letzten Tage veröffentliche ich diesen Eintrag, obwohl schon am 19. verfasst, erst am 23.6.
Am Mittwoch, 15., verließen Sebi und ich schließlich La Serrana. Schon seltsam, Abschied zu nehmen, nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Farm.
Ein letzter Blick auf La Serrana
Die Fahrt nach Popayen zwang uns zu einer Zwischenstation in Cali. Nach über zwei Wochen auf einer Farm mitten im Grünen hätte der Kontrast kaum krasser ausfallen können. Wir waren beide froh als wir diese fürchterliche Stadt schließlich hinter uns ließen.
Nach einem langen Tag im Bus kamen wir schließlich in Popayan an - und waren beide sehr positiv überrascht. Die Innenstadt von Popayan war sehr schön und sauber. Das Hostel das uns von vielen unserer Gäste empfohlen worden war setzte dieses Staunen nur fort: das Park Life Hostel, gerade mal 25 Tage alt, war wirklich toll und die beiden jungen Besitzer wirklich sehr herzlich.
Wir bedauerten nun sehr unseren engen Fahrplan und dass wir nicht länger in Popayan bleiben konnten.
Beim Einkaufen im Supermarkt lernten wir zufällig Christian aus der Steiermark kennen, meinen zweiten Österreicher auf der Reise! Zufällig stellte sich heraus das wir im selben Hostel logierten; so verbrachten wir gemeinsam den Abend und da wir die selbe Route hatten beschlossen wir am nächsten Morgen gemeinsam nach Otavalo zu fahren.
Der Weg nach Otavalo
Die Fahrt nach Otavalo war ein Horror. Statt geplanter neun Stunden brauchten wir 13.
Die Grenze nach Ecuador überquerten wir schon im Dunkeln - meine erste Grenzüberquerung so spät!
Von der Grenze nach Otavlo ging es plötzlich sehr schnell. Kaum waren wir durch das Gewackel des Busses aufs Neue in einen Halbschlaf verfallen wurden wir schon mehr oder weniger mitten auf der Landstraße rausgeschmissen.
Ein Taxi brachte uns zu unserem Hostel. Es war uns von den Gastgebern in Popayan empfohlen worden; die Lage war Serrana-artig etwas außerhalb und erhöht über Otavalo; es klang nett (und es gab wenig Alternativen in der Stadt selbst) und so hatten wir reserviert.
Zumindest dachten wir das. Als der Taxifahrer uns nach 25 min holperiger Fahrt absetzte und gleich wieder abdüste standen wir vor einem komplett dunklen Gutshof.
Wir klingelten mehrere Male, riefen, pfiffen, doch ausser bellender Hunde keine Reaktion.
Um uns herum nichts.
Wir warteten eine gute Viertelstunde ratlos.
Es war mittlerweile 20 vor zwölf.
Zurück nach Otavalo laufen kam nicht in Frage, laut Beschreibung auf der Hostel-Internetseite wäre das eine gute Stunde.
Ein Handy hatten wir zwar, aber der Akku war leer.
Das nächste Haus hatten wir exakt auf halbem Weg gesehen.
Tja.
Glücklicherweise kam kurze Zeit später ein Pick-Up vorbei der uns schließlich in Otavalo absetzte.
Nach ein wenig Suchen (es gab zwar haufenweise Hostels, aber die meisten sahen schäbig aus und keines hatte sichtbar geöffnet) fanden wir schließlich eine mediokre Absteige für 6 USD pro Person.
Cotacachi
Um kurz vor 9:00 am nächsten Morgen verließen wir das Hostel schon wieder und fanden bald ein besseres Hostel.
Den Tag verbrachten wir in Cotacachi, einem Ort nahe Otavalo der wie schon León in Mexiko für seine Lederwaren bekannt war. In dieser Hinsicht enttäuschte Cotacachi: das angebot war deutlich kleiner und zwar teurer, aber auch besser verarbeitet. Auf der Suche nach Stiefeln fand ich nichts und Sebi eine Jacke.
Abends erfuhren wir, dass das Leder gar nicht aus Ecuador kommt. Die Haut stammt aus Argentinien, wird in Marokko zu Leder verarbeitet und dieses schließlich dann in Cotacachi vernäht. Absurd!
Otavalo
Am Samstag stand der berühmte Markt von Otavalo an.
Wir standen um kurz nach 6:00 auf um erst den Viehmarkt zu besuchen - ein wahnsinns Spektakel.
Später schauten wir uns den Rest des Marktes an der letztlich den Rest der Stadt ausmachte. Es gab viele Textilwaren aus Wolle, darunter einiges aus Alpacawolle. Leider mussten wir erfahren, dass diese aus Peru stammt - in Ecuador gibt es kaum Alpacas.
Jeder von uns ließ einiges an Geld da; alle kauften wir uns warme Pullis und ich mir endlich meinen Indy-Jones-Hut!
Am späten Mittag trennten Sebi und ich uns, diesmal endgültig auf diesem Kontinent. Sebi fuhr schon wieder zurück nach Kolumbien, Christian und ich weiter nach Quito.
Weitere Pläne
Christian hat ziemlich die selbe Route wie ich und auch ungefähr den selben Zeitplan so dass wir viel am Planen sind und eventuell zusammen weiterreisen oder uns zumindest immer wieder über den Weg laufen werden.
Mir ist bewusst geworden, dass ich nun weniger als zwei Monate Zeit und noch sechs Länder und einige Tausend Kilometer vor mir habe.
Mein momentaner und wohl relativ endgültiger Plan sieht nun also vor große Strecken zu fliegen und Peru praktisch zu überspringen. auch Brasilien wurde von fünf auf zwei Reiseziele reduziert. Argentinien hatte ich ja eh schon fast außen vor gelassen.
Ich werde mich nun also auf Bolivien konzentrieren - davon schwärmen alle, die von dort kommen.
Zeit ist Geld
Im Laufe des Abends werde ich heute wohl vier Flüge für knapp 600 Euro buchen die mir allerdings mindestens 160 Stunden Busfahrt - 6,5 Tage!!! - ersparen. Im Nachhinein ärgere ich mich sehr, dass ich meinen Rückflug schon von Salvador aus gebucht hatte; andererseits sehe ich dafür eben noch Rio und Salvador. An meinen CO2-Fußabdruck denke ich besser nicht! :(((
el año - Reiseroute auf einer größeren Karte anzeigen
Blaue Linien sind Flüge, Gelb ist die noch vor mir liegende Strecke
Ich werde nun noch zwei Tage in Quito verbringen und dann den restlichen Juni Ecuador durchqueren. Ende Juni wird mich dann mein erster (Heim-)Flug von Piura in Nordperu nach Cuzco bringen.
Die Flüge ärgern mich sehr, aber ich freue mich dennoch auf die restliche Reise. :)
PS: Wegen miserabler Internetverbindungen die letzten Tage veröffentliche ich diesen Eintrag, obwohl schon am 19. verfasst, erst am 23.6.
Montag, 13. Juni 2011
Salento - feliz aniversario!
Acht Monate nun hinter mir, 65d 22h 20min vor mir!
Sonst nichts neues. Wir sind immer noch in La Serrana in Salento. Morgen hört Sebi auf zu arbeiten, eine neue Volunteer übernimmt, ich lern sie noch an und am Mittwoch, 15.6. gehts los, weiter.
Zum Jubiläum:
Gerade hab ich die Reiseroute ganz grob aktualisiert.
el año - Reiseroute auf einer größeren Karte anzeigen
Ein bisschen schwindelig macht, dass ich allein an Luftlinie noch über 9000km vor mir habe... in den nächsten 2,5 Monaten.
Sonst nichts neues. Wir sind immer noch in La Serrana in Salento. Morgen hört Sebi auf zu arbeiten, eine neue Volunteer übernimmt, ich lern sie noch an und am Mittwoch, 15.6. gehts los, weiter.
Zum Jubiläum:
Gerade hab ich die Reiseroute ganz grob aktualisiert.
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Ein bisschen schwindelig macht, dass ich allein an Luftlinie noch über 9000km vor mir habe... in den nächsten 2,5 Monaten.
Standort:
Salento - Quindío Dept, Colombia
Donnerstag, 9. Juni 2011
Salento - ein beschauliches Leben
Direkt am Tag nach meiner Famulatur, am 1.6. setzte ich mich in einen Bus um wiederum nach Salento zu fahren.
Dort war ich ja schon zwei Wochen zuvor gewesen um an einem verlängerten Wochenende Sebi zu besuchen.
Die ersten Tage waren wunderbar. Ich ging einmal wandern, ansonsten hing ich im und ums Hostel rum, las, lernte und arbeitete ein wenig für die AMSA. Sebi wurde derweil mehr und mehr gestresst weil sehr viele Gäste da waren und er viel zu tun hatte. Ich griff ihm also immer mal wieder unter die Arme.
Zunächst war der Plan am Dienstag, 7.6. zu fahren. Da das Hostel und die Umgebung aber einfach zu toll sind entschlossen wir uns zu bleiben. Seit Montag arbeite nun ich hier und Sebi ist nur noch "back up", arbeitet wenig und spannt aus.
Meine Aufgaben sind Check-In und -Out zwischen 17:00 und 23:00, Bar, Hilfe beim Abendessen servieren und den ganzen Tag: Fragen beantworten. Das vor allem und die Rezeption sind erstaunlich viel Arbeit. Glücklicherweise haben wir momentan kaum Gäste...
Für all das schlafe ich umsonst und bekomme Frühstück sowie unter der Woche Abendessen. Das spart mir immerhin 35.000 COP pro Tag, knapp 14€.
Fürs erste ist der Plan nun in einer Woche, am 13. oder 14. weiterzufahren. Aber man weiß ja nie... ;)
Mir gehts soweit gut. Die Arbeit macht noch Spaß und tagsüber kann ich eigentlich machen was ich will. Ich bin sehr froh, dass ich endlich meine ganzen Famulaturen hinter mich gebracht habe und nun kein Zeitdruck mehr besteht.
Tatsächlich ist es sogar umgekehrt: ich will endlich nach Hause und zähle die Tage bis ich wieder im Flieger sitze (jetzt gerade: 69 Tage, 19 Stunden, 47 Minuten - ich habe einen Countdown als Firefox-Startseite eingerichtet).
Die Reiselust hat stark abgenommen; zwar möchte ich schon noch irgendwie Machu Picchu, die Salar de Uyuni und Buenos Aires sehen, aber ich habe Hostels sooooo satt und ich habe auch keine Lust mehr Stunden oder sogar Tage im Bus zu verbringen. Ich bin ein wenig am überlegen meinen Flug vorzuverlegen aber die Internetseite des Reiseanbieters verrät nichts über die Kosten und vor denen und dem Aufwand schrecke ich noch ein wenig zurück. Tja... :(
Jetzt genieße ich erstmal noch ein wenig das ruhige Leben hier auf der Farm.
Dort war ich ja schon zwei Wochen zuvor gewesen um an einem verlängerten Wochenende Sebi zu besuchen.
Die ersten Tage waren wunderbar. Ich ging einmal wandern, ansonsten hing ich im und ums Hostel rum, las, lernte und arbeitete ein wenig für die AMSA. Sebi wurde derweil mehr und mehr gestresst weil sehr viele Gäste da waren und er viel zu tun hatte. Ich griff ihm also immer mal wieder unter die Arme.
Zunächst war der Plan am Dienstag, 7.6. zu fahren. Da das Hostel und die Umgebung aber einfach zu toll sind entschlossen wir uns zu bleiben. Seit Montag arbeite nun ich hier und Sebi ist nur noch "back up", arbeitet wenig und spannt aus.
Meine Aufgaben sind Check-In und -Out zwischen 17:00 und 23:00, Bar, Hilfe beim Abendessen servieren und den ganzen Tag: Fragen beantworten. Das vor allem und die Rezeption sind erstaunlich viel Arbeit. Glücklicherweise haben wir momentan kaum Gäste...
Für all das schlafe ich umsonst und bekomme Frühstück sowie unter der Woche Abendessen. Das spart mir immerhin 35.000 COP pro Tag, knapp 14€.
Fürs erste ist der Plan nun in einer Woche, am 13. oder 14. weiterzufahren. Aber man weiß ja nie... ;)
Mir gehts soweit gut. Die Arbeit macht noch Spaß und tagsüber kann ich eigentlich machen was ich will. Ich bin sehr froh, dass ich endlich meine ganzen Famulaturen hinter mich gebracht habe und nun kein Zeitdruck mehr besteht.
Tatsächlich ist es sogar umgekehrt: ich will endlich nach Hause und zähle die Tage bis ich wieder im Flieger sitze (jetzt gerade: 69 Tage, 19 Stunden, 47 Minuten - ich habe einen Countdown als Firefox-Startseite eingerichtet).
Die Reiselust hat stark abgenommen; zwar möchte ich schon noch irgendwie Machu Picchu, die Salar de Uyuni und Buenos Aires sehen, aber ich habe Hostels sooooo satt und ich habe auch keine Lust mehr Stunden oder sogar Tage im Bus zu verbringen. Ich bin ein wenig am überlegen meinen Flug vorzuverlegen aber die Internetseite des Reiseanbieters verrät nichts über die Kosten und vor denen und dem Aufwand schrecke ich noch ein wenig zurück. Tja... :(
Jetzt genieße ich erstmal noch ein wenig das ruhige Leben hier auf der Farm.
Mein täglicher Blick aus der Haustür
eine der Aufenthalt secken im Hostel; hier sitzen Sebi und ich meist am PC
schwirrte mir neulich beim Lesen draussen vor der Nase rum: mal wieder ein Kolibri
ein beliebtes Ausflugsziel hier: der Wasserfall in der Nähe von Boquía
Standort:
Salento, Quindío Department, Colombia
Sonntag, 5. Juni 2011
Cali - letzte Famulatur
Endlich habe ich alle meine Famulaturen auf dieser Reise hinter mich gebracht, bin ich frei nur noch zu reisen, mit nur noch einem großen Termin in 74 Tagen, meinem Abflug, endlich.
In Cali hatte ich alles in allem eine gute Zeit. Ich habe wieder tolle Menschen kennengelernt, Freunde gefunden, hatte Spaß. Ich habe auch viel gesehen, etwas gelernt.
Die Famulatur:
Ich famulierte am Hospital Universitario del Valle (HUV) der Universidad del Valle zunächst in der Traumatologie, später in Gastrochirurgie. Das Spital ist mit knapp 1000 Betten das größte öffentliche Spital in Kolumbien. Die Patienten verfügen über die allgemeine Basisversicherung, sind im allgemeinen aber arm.
Trauma war sehr beeindruckend und lehrreich, aber auch bedrückend. 45% der Patienten (an vielen Tagen aber 100%) kommen mit der trocken abgekürzten Diagnose HPAF - herida por arma de fuego, Schussverletzung. Diese liegen oft im Kopf- oder Halsbereich. Die Motivation für die Angriffe sind willkürliche Gewalt oder Überfälle. Die meisten Patienten kamen aus zwei berüchtigten Stadtvierteln (Aguas Blancas und Siloé).
Ich hatte die gleichen Aufgaben wie hieisge Medizinstudenten im vierten Jahr: bei neuen Patienten die Erstbegutachtung, Anamnese und Status, bei Patienten auf der Aufnahmestation "Evolution", d.h. drei mal täglich Status und alle 24h eine neue Begutachtung.
Die Arbeit begann morgens um 5:30 und endete meist gegen 17:00.
Da ich mir endlich mal eine Famulatur für mein Curriculum anrechnen lassen wollte wechselte ich nach einer Woche in Gastro- (Bauch)chirurgie.
Anfangs verbrachte ich meine Zeit mit einem Team kolumbianischer Studenten. Das vierte Jahr ist hier klinisch und so folgte ich ihrem Stundenplan. Wir hatten täglich jeweils 1-3h Seminar und bis zu 6h Arbeit entweder im consultorio – der Ambulanz -, einer Art Aufnahmestation oder im OP.
Hier begann der Tag um 7:00 und endete gegen 18:00 wobei wir Mittags ca. 2h Pause hatten.
Die Arbeit selber war recht fad da wir zu viele Studenten waren und dadurch der einzelne wenig machen konnte. Die Tätigkeiten beschränkten sich praktisch auf Anamnese und Status.
Nach zwei Wochen bat ich um Erlaubnis ausschließlich im OP arbeiten zu dürfen was mir ohne weiteres erlaubt wurde.
Der OP-Plan begann um 7:00, der Chirurg kam aber frühestens um 8:30 so dass wir meist erst gegen 9:00 oder sogar später anfingen. Bei den meisten durfte ich steril am Tisch stehen und als zweite oder nicht selten sogar als erste Assistenz mitarbeiten. Die Arbeit war meist recht interessant weil die Profs sich sehr über einen ausländischen Gast freuten, viel fragten und während der OP meist viel erklärten. Je nach Prof und OP-Plan hatte ich hier keine oder bis zu 1h Mittagspause, heim ging ich zwischen 15:00 und 19:00.
Alles in allem war der Monat in Cali vom akademischen Blickwinkel nett, wobei Trauma das Beste war. Chirurgie war nicht schlecht aber nichts besonderes.
Haupteingang des HUV
Einer der acht OPs im Haupt-OP
Der "filtro" - ein Auffangbecken für alle Notfallpatienten (außer Trauma),
bevor sie erstbegutachtet werden
Ausserhalb des Krankenhauses
... habe ich mich selten frei bewegt. Cali halte ich für eine ziemlich gefährliche Stadt weswegen ich meist mit Taxis unterwegs war. Ausserhalb der Stadt war ich deswegen umso lieber. Jedes Wochenende war ich auf Ausflügen in die nähere oder weitere Umegbung die hier wirklich wunderschön ist.
Begleitet wurde ich von lieben Leuten die ich hier kennen gelernt hatte.
An einem verlängerten Wochenende zum Beispiel fuhr ich ins knapp 5h entfernte Salento wo Sebi mittlerweile ein zeitweiliges Heim gefunden hat! Ein anderes Wochenende waren wir wandern, wieder ein anderes in einem Nationalpark campen, mit über-dem-Feuer-kochen und Sternegucken.
Ich wohnte bei einer kolumbianischen Oberklasse-Familie. Die Wohnung hatte gute 350 qm, ich ein eigenes Zimmer, ein Hausmädchen und gelegentlich einen Chaffeur.
Mittags aß ich in der Uni in einer unsäglich schlechten aber billigen Kantine oder in einem der dutzenden Restaurants ums Spital rum.
Das kolumbianische Essen finde ich allgemein ziemlich schlecht. Zwar gibt es unglaublich viele tolle Früchte (die exotischsten gibt es bei uns gar nicht: Lulo, Chontaduro, Tomate de arbol - Baumtomate), diese werden aber fast ausschließlich als Saft verwendet. Ein Frühstück besteht meist aus Kaffee und Rührei mit Arepas, das sind dicke Maisfladen mit Käse. Ein klassiches Mittagessen ist meist eine Suppe mit Huhn, Kochbanane und Kartoffeln und ein Hauptgericht mit sehr fettigem Fleisch, Kochbanane und Reis mit Linsen oder Bohnen – also Kohlenhydrate, Kohlenhydrate und Fett. Abwechslung gibt es kaum.
Mittags aß ich in der Uni in einer unsäglich schlechten aber billigen Kantine oder in einem der dutzenden Restaurants ums Spital rum.
Das kolumbianische Essen finde ich allgemein ziemlich schlecht. Zwar gibt es unglaublich viele tolle Früchte (die exotischsten gibt es bei uns gar nicht: Lulo, Chontaduro, Tomate de arbol - Baumtomate), diese werden aber fast ausschließlich als Saft verwendet. Ein Frühstück besteht meist aus Kaffee und Rührei mit Arepas, das sind dicke Maisfladen mit Käse. Ein klassiches Mittagessen ist meist eine Suppe mit Huhn, Kochbanane und Kartoffeln und ein Hauptgericht mit sehr fettigem Fleisch, Kochbanane und Reis mit Linsen oder Bohnen – also Kohlenhydrate, Kohlenhydrate und Fett. Abwechslung gibt es kaum.
In der ersten Woche aß ich effektiv 2-3 Eier pro Tag und an 2-3 Mahlzeiten pro Tag Fleisch. Schließlich erklärte ich mich als Vegetarier und weigerte mich Eier zu essen. Die Familie war sehr verwirrt und das Hausmädchen schmuggelte mir anfangs immer wieder Huhn ins Essen (denn pollo zählt nicht als carne) aber schließlich akzeptierten sie meine exzentrischen Essgewohnheiten. Fettig war das Essen trotzdem.
Valle de Cocora in der Nähe von Salento
Lago Calima
untypisches kolumbianisches Mittagessen:
viel Salat, wenig Reis
Montag, 9. Mai 2011
Quito - eine ganz besondere Famulatur
Den April verbrachte ich in Quito.
Die Unterkunft
Nach ein paar Tagen in einem Hostel fand eine Art WG: ein privat vermietetes Haus mit 4 Gästezimmern, geteiltem Bad, Küche, Wohn- und Esszimmer. Dort wohnte ich für 220 USD/Monat zusammen mit einem Kölner GTZ-Mitarbeiter und einer französischen Seismologin. ausserdem wohnte noch Tante Olga dort, die Tante des Besitzers die ein wenig putzte und nach dem rechten sah.
Mein Zimmer war nicht sehr groß und die Fenster lausig isoliert (zumindest im April war es sehr kalt in Quito, zwischen 10 und 15°C); aber: ich fühlte mich richtig daheim. Das lag hauptsächlich an den Leuten. Es war ein richtig heimeliges WG-feeling. Nach der Arbeit machte man sich ein Bier auf und setzte sich mit den Mitbewohnern an den Küchentisch, quatschte oder kochte zusammen. Oft setzte sich Olga dazu, eine sehr freundliche und hilsbereite Person, oder es kamen der Besitzer, ein anfang-Dreissiger der schon die halbe Welt gesehen hat oder seine Eltern dazu. Hauptsächlich wegen der Atmosphäre, aber auch wegen der praktischen Lage kann ich Casa Amaru wärmstens empfehlen.
Die Famulatur
Die Famulatur im Hospital del Sur war alles in allem nicht so toll.
Das Hospital war gut in Schuss und auch von der Versorgung oder den Ressourcen her nicht übel.
Die Arbeit aber war wenig praktisch ausgelegt. Ich arbeitete schliesslich meist von 8 bis 12, Nachtdienste hatte ich versucht, lohnten sich aber nicht. Während dieser 4 Stunden machte ich Visite zusammen mit der einzigen Ärztin die die Motivation fand wirklich "Lehre" zu betreiben. Wir besprachen alle aktuellen Fälle, untersuchten einige nach und schrieben den Plan für den Tag. Dadruch bekam ich mehr Routine in internistischen (Not)fällen. Wirklich akute Notfälle gab es irgendwie recht selten; mit traumatologischen Fällen hatte ich fast nichts zu tun. Praktisch machte ich lediglich arterielle Blutgasabnahmen.
Ich habe während meiner Zeit dort schon etwas gelernt, würde es aber nicht noch mal machen und kann es auch nicht empfehlen.
Die Stadt
Quito gilt als eine der gefährlichsten Städte in Südamerika. Mittlerweile in Cali, Kolumbien, mit 10 Toten pro Tag allein in unserer Notaufnahme (inkl. Innere Med. und Not-OP), kann ich darüber nur lachen.
Fakt ist aber: Diebstahl und Überfälle sind sehr häufig in Quito. In keiner anderen Stadt bisher habe ich von so vielen Überfällen gehört - auf Touristen und Einheimische. Sehr viele der Überfälle finden an touristischen Hot-Spots statt: Dem Mariscal - dort befinden sich fast alle Unterkünfte, Bars, Clubs und Restaurants -, der Altstadt, dem Busbahnhof. Solange man aber keinen Widerstand leistet droht in den allermeisten Fällen zumindest aber keine körperliche Gefahr. Ausserdem lässt sich mit Vorsicht und dem Befolgen der altbekannten Reiseregeln einem Überfall fast sicher vorbeugen.
Eine wirklich schöne Stadt ist Quito insgesamt nicht, auch wenn es wunderschöne Ecken un der Altstadt gibt.
Nichtsdestotrotz ist es eine interessante, ja, faszinierende Stadt mit einem tollen Freizeitangebot und atemberaubender Umgebung. Ich habe mich in meiner Zeit dort sehr wohl gefühlt und freue mich schon auf meine Rückkehr.
... und sonst so?
... hatte ich eine tolle Zeit in Quito. Das ist meinen Mitbewohnern zu verdanken, einem netten Kollegen aus den USA den ich im Spital kennen lernte - und nicht zuletzt einer ganz besonderen Kollegin mit der ich sehr viel Zeit (eigentlich jeden Tag) verbrachte und wegen der ich im Juni auch wieder nach Quito zurück kommen werde. ;) Mit ihr machte ich auch einen kleinen Ausflug in das ecuatorianische Amazonasgebiet sowie in die Anden.
am Äquator
Blick über den Nordteil Quitos, mit Blick Richtung Süden zum Panecillo mit der Engelsstatue
im Amazonasgebiet
Die Unterkunft
Nach ein paar Tagen in einem Hostel fand eine Art WG: ein privat vermietetes Haus mit 4 Gästezimmern, geteiltem Bad, Küche, Wohn- und Esszimmer. Dort wohnte ich für 220 USD/Monat zusammen mit einem Kölner GTZ-Mitarbeiter und einer französischen Seismologin. ausserdem wohnte noch Tante Olga dort, die Tante des Besitzers die ein wenig putzte und nach dem rechten sah.
Mein Zimmer war nicht sehr groß und die Fenster lausig isoliert (zumindest im April war es sehr kalt in Quito, zwischen 10 und 15°C); aber: ich fühlte mich richtig daheim. Das lag hauptsächlich an den Leuten. Es war ein richtig heimeliges WG-feeling. Nach der Arbeit machte man sich ein Bier auf und setzte sich mit den Mitbewohnern an den Küchentisch, quatschte oder kochte zusammen. Oft setzte sich Olga dazu, eine sehr freundliche und hilsbereite Person, oder es kamen der Besitzer, ein anfang-Dreissiger der schon die halbe Welt gesehen hat oder seine Eltern dazu. Hauptsächlich wegen der Atmosphäre, aber auch wegen der praktischen Lage kann ich Casa Amaru wärmstens empfehlen.
Die Famulatur
Die Famulatur im Hospital del Sur war alles in allem nicht so toll.
Das Hospital war gut in Schuss und auch von der Versorgung oder den Ressourcen her nicht übel.
Die Arbeit aber war wenig praktisch ausgelegt. Ich arbeitete schliesslich meist von 8 bis 12, Nachtdienste hatte ich versucht, lohnten sich aber nicht. Während dieser 4 Stunden machte ich Visite zusammen mit der einzigen Ärztin die die Motivation fand wirklich "Lehre" zu betreiben. Wir besprachen alle aktuellen Fälle, untersuchten einige nach und schrieben den Plan für den Tag. Dadruch bekam ich mehr Routine in internistischen (Not)fällen. Wirklich akute Notfälle gab es irgendwie recht selten; mit traumatologischen Fällen hatte ich fast nichts zu tun. Praktisch machte ich lediglich arterielle Blutgasabnahmen.
Ich habe während meiner Zeit dort schon etwas gelernt, würde es aber nicht noch mal machen und kann es auch nicht empfehlen.
Die Stadt
Quito gilt als eine der gefährlichsten Städte in Südamerika. Mittlerweile in Cali, Kolumbien, mit 10 Toten pro Tag allein in unserer Notaufnahme (inkl. Innere Med. und Not-OP), kann ich darüber nur lachen.
Fakt ist aber: Diebstahl und Überfälle sind sehr häufig in Quito. In keiner anderen Stadt bisher habe ich von so vielen Überfällen gehört - auf Touristen und Einheimische. Sehr viele der Überfälle finden an touristischen Hot-Spots statt: Dem Mariscal - dort befinden sich fast alle Unterkünfte, Bars, Clubs und Restaurants -, der Altstadt, dem Busbahnhof. Solange man aber keinen Widerstand leistet droht in den allermeisten Fällen zumindest aber keine körperliche Gefahr. Ausserdem lässt sich mit Vorsicht und dem Befolgen der altbekannten Reiseregeln einem Überfall fast sicher vorbeugen.
Eine wirklich schöne Stadt ist Quito insgesamt nicht, auch wenn es wunderschöne Ecken un der Altstadt gibt.
Nichtsdestotrotz ist es eine interessante, ja, faszinierende Stadt mit einem tollen Freizeitangebot und atemberaubender Umgebung. Ich habe mich in meiner Zeit dort sehr wohl gefühlt und freue mich schon auf meine Rückkehr.
... und sonst so?
... hatte ich eine tolle Zeit in Quito. Das ist meinen Mitbewohnern zu verdanken, einem netten Kollegen aus den USA den ich im Spital kennen lernte - und nicht zuletzt einer ganz besonderen Kollegin mit der ich sehr viel Zeit (eigentlich jeden Tag) verbrachte und wegen der ich im Juni auch wieder nach Quito zurück kommen werde. ;) Mit ihr machte ich auch einen kleinen Ausflug in das ecuatorianische Amazonasgebiet sowie in die Anden.
am Äquator
Blick über den Nordteil Quitos, mit Blick Richtung Süden zum Panecillo mit der Engelsstatue
im Amazonasgebiet
Panama - Colombia
an Bord des Schiffes "Luka S/V" unter Captain Tomek setzte ich am 23.3. von Portobelo, Panama nach Cartagena, Kolumbien über. Das ganze kostete 440 USD und dauerte 5 Tage, wobei wir 3 Tage davon im Archipel von San Blas verbrachten.
Die Überfahrt war schlicht und einfach großartig. Ich hatte das Glück nicht seekrank zu sein (inm Gegensatz zu 6 der 11 anderen Passagiere). Angekommen auf San Blas war aber auch schon wieder alles gut und wir verbrachten wunderbare Tage mit schnorcheln, schwimmen, Obst, Fisch und Hummer essen und netten Abenden an Deck.
Die anderen Passagiere waren zum Großteil sehr interessante Charaktere mit denen ich zum Teil auch jetzt noch Kontakt halte.
Captain Tomek ist eine bemerkenswerte Person. Er steht im Guiness Buch der Rekorde als letzter Einhand-Weltumsegler ohne Stop; nicht zuletzt deswegen hat er ziemlich viel Erfahrung auf den Weltmeeren.
Darüber hinaus ist er ein großer Philosoph und ich verbrachte Stunden diskutierend mit ihm auf der Brücke.
Am 27.3. kamen wir schließlich in Cartagena an. da mein Flug nach Quito erst am 30.4. ging hatte ich also noch ein paar Tage in der wunderbaren kolumbainischen Hafenstadt.
Zum Schluss noch ein paar Links meiner Freunde:
http://vnextstop.com /Diana und Zilvinas aus Litauen machen von den USA aus eine Weltreise. Mit dem Fahrrad. Beide sind hervorragende Fotografen, ihre Fotos sind sehr sehenswert.
http://globelovers.over-blog.com Blog von Jocelyn und Perrin, auch auf Weltreise. viel Text, aber ein paar nette Fotos sind auch dabei
http://www.soloaroundtheworld.com/ die Seite von Captain Tomek auf seiner Solo-Einhand-Weltumsegelung
http://social.skipthedariengap.com/ Tomeks seite mit Infos zur Passage zwischen Panama und Kolumbien
Die Überfahrt war schlicht und einfach großartig. Ich hatte das Glück nicht seekrank zu sein (inm Gegensatz zu 6 der 11 anderen Passagiere). Angekommen auf San Blas war aber auch schon wieder alles gut und wir verbrachten wunderbare Tage mit schnorcheln, schwimmen, Obst, Fisch und Hummer essen und netten Abenden an Deck.
Die anderen Passagiere waren zum Großteil sehr interessante Charaktere mit denen ich zum Teil auch jetzt noch Kontakt halte.
Captain Tomek ist eine bemerkenswerte Person. Er steht im Guiness Buch der Rekorde als letzter Einhand-Weltumsegler ohne Stop; nicht zuletzt deswegen hat er ziemlich viel Erfahrung auf den Weltmeeren.
Darüber hinaus ist er ein großer Philosoph und ich verbrachte Stunden diskutierend mit ihm auf der Brücke.
Am 27.3. kamen wir schließlich in Cartagena an. da mein Flug nach Quito erst am 30.4. ging hatte ich also noch ein paar Tage in der wunderbaren kolumbainischen Hafenstadt.
Zum Schluss noch ein paar Links meiner Freunde:
http://vnextstop.com /Diana und Zilvinas aus Litauen machen von den USA aus eine Weltreise. Mit dem Fahrrad. Beide sind hervorragende Fotografen, ihre Fotos sind sehr sehenswert.
http://globelovers.over-blog.com Blog von Jocelyn und Perrin, auch auf Weltreise. viel Text, aber ein paar nette Fotos sind auch dabei
http://www.soloaroundtheworld.com/ die Seite von Captain Tomek auf seiner Solo-Einhand-Weltumsegelung
http://social.skipthedariengap.com/ Tomeks seite mit Infos zur Passage zwischen Panama und Kolumbien
Montag, 21. März 2011
Panama city
Ich kann leider nicht viel schreiben weil ich gleich los muss.
Ich fahre gleich nach Portobelo an der Kueste; dort gehe ich morgen an Bord der S/V Luke und setze via San Blas nach Cartagena, Kolumbien ueber.
Es gibt viel zu erzaehlen, ich hoffe ich finde bald Gelegenheit dazu.
Ich fahre gleich nach Portobelo an der Kueste; dort gehe ich morgen an Bord der S/V Luke und setze via San Blas nach Cartagena, Kolumbien ueber.
Es gibt viel zu erzaehlen, ich hoffe ich finde bald Gelegenheit dazu.
Freitag, 18. März 2011
Boquete, Panama - die ersten Tage allein
11.3.-14.3. - Isla Ometepe, Nicaragua
14.3. -> San Jose, Costa Rica
16.3. -> Boquete, Panama
Das waren so meine letzten paar Tage.
Am 14.3. trennten Sebi und ich uns; er reist jetzt nur noch herum waehrend ich noch 2 Famulaturen vor mir habe. Ich bin also alleine nach Costa Rica gefahren.
Das alleine reisen ist ungewohnt - vor allem das Kochen - aber ich komme gut damit zurecht.
San Jose schien mir recht fad. Gestern bin ich in Boquete angekommen.
Lange habe ich darauf gewartet sagen zu koennen:
"Oh wie schoen ist Panama!"
Und es ist wahr. Boquete ist wunderbar. Fuer Sebi: Ein wenig wie eine Mischung aus Creel und Juayua. ;)
Bei einem ausgedehnten Spaziergang um die Stadt habe ich just in einem kleinen Dorf namens Arco Iris einen wunderbaren Regenbogen gesehen, spaeter Kolibiris. Zauberhaft.
Ich bleibe noch einen Tag, uebermorgen gehts nach Panama.
14.3. -> San Jose, Costa Rica
16.3. -> Boquete, Panama
Das waren so meine letzten paar Tage.
Am 14.3. trennten Sebi und ich uns; er reist jetzt nur noch herum waehrend ich noch 2 Famulaturen vor mir habe. Ich bin also alleine nach Costa Rica gefahren.
Das alleine reisen ist ungewohnt - vor allem das Kochen - aber ich komme gut damit zurecht.
San Jose schien mir recht fad. Gestern bin ich in Boquete angekommen.
Lange habe ich darauf gewartet sagen zu koennen:
"Oh wie schoen ist Panama!"
Und es ist wahr. Boquete ist wunderbar. Fuer Sebi: Ein wenig wie eine Mischung aus Creel und Juayua. ;)
Bei einem ausgedehnten Spaziergang um die Stadt habe ich just in einem kleinen Dorf namens Arco Iris einen wunderbaren Regenbogen gesehen, spaeter Kolibiris. Zauberhaft.
Ich bleibe noch einen Tag, uebermorgen gehts nach Panama.
Freitag, 11. März 2011
Guatemala: Santiago, Antigua/ El Salvador: El Zonte, Juayúa, San Salvador/ Nicaragua: León
Wow. Ist der letzte Blog schon wieder fast nen Monat her. So viel passiert...
Am 24.2. war unser letzter Arbeitstag im Hospitalito;
wir verbrachten danach noch ein paar entspannte Tage in Santiago. Regina, eine Bekannte aus Wien stiess mehr oder weniger zufaellig zu uns und wir beschlossen gemeinsam nach El Salvador zu fahren. Am Sonntag, 27.2. brachen wir auf und kamen nach einer Nacht in Antigua am 1.3. in El Zonte an der Costa de Balsamo (Balsamkueste) an.
Wir verbrachten dort eine wunderbare Woche; nach fuenf Tagen schwimmen, surfen, Capoeira und in-der-haengematte-haengen fuhren wir nach Juayúa, einem wunderbaren kleinen Staedtchen, umgeben von sanften Huegeln und Kaffeeplantagen.
Auch dort hatten wir eine tolle Zeit - das kleine Hostel "Casa Mazeta" von Alex dem Franzosen und die gemuetliche Atmosphaere motivierten Sebi eines Abends zu dem Kommentar: "ich habe mich in ganz Zentralamerika noch nie soo daheim gefuehlt!".
Nach fast 2 Wochen mit Regina mussten wir uns am Mittwoch, 9.3. in der Frueh trennen.
Regina hat nur noch einen knappen Monat hier und wollte nach Honduras, Sebi und ich nach Nicaragua. Schweren Herzens, weil wir wirklich eine gute Zeit gemeinsam hatten, fuhren wir nach León. Nach gut 13 Stunden Fahrt kamen wir schliesslich an.
Das Hostel in dem wir nun sind gefaellt uns aber ueberhaupt nicht und die Stadt ist zwar nett, aber auch nicht viel mehr. Wir fahren also morgen weiter auf die Insel Ometepe im Nicaraguasee.
Ver mapa más grande
Am 24.2. war unser letzter Arbeitstag im Hospitalito;
wir verbrachten danach noch ein paar entspannte Tage in Santiago. Regina, eine Bekannte aus Wien stiess mehr oder weniger zufaellig zu uns und wir beschlossen gemeinsam nach El Salvador zu fahren. Am Sonntag, 27.2. brachen wir auf und kamen nach einer Nacht in Antigua am 1.3. in El Zonte an der Costa de Balsamo (Balsamkueste) an.
Wir verbrachten dort eine wunderbare Woche; nach fuenf Tagen schwimmen, surfen, Capoeira und in-der-haengematte-haengen fuhren wir nach Juayúa, einem wunderbaren kleinen Staedtchen, umgeben von sanften Huegeln und Kaffeeplantagen.
Auch dort hatten wir eine tolle Zeit - das kleine Hostel "Casa Mazeta" von Alex dem Franzosen und die gemuetliche Atmosphaere motivierten Sebi eines Abends zu dem Kommentar: "ich habe mich in ganz Zentralamerika noch nie soo daheim gefuehlt!".
Nach fast 2 Wochen mit Regina mussten wir uns am Mittwoch, 9.3. in der Frueh trennen.
Regina hat nur noch einen knappen Monat hier und wollte nach Honduras, Sebi und ich nach Nicaragua. Schweren Herzens, weil wir wirklich eine gute Zeit gemeinsam hatten, fuhren wir nach León. Nach gut 13 Stunden Fahrt kamen wir schliesslich an.
Das Hostel in dem wir nun sind gefaellt uns aber ueberhaupt nicht und die Stadt ist zwar nett, aber auch nicht viel mehr. Wir fahren also morgen weiter auf die Insel Ometepe im Nicaraguasee.
Ver mapa más grande
Dienstag, 15. Februar 2011
Xela - ein aufregendes Wochenende
Am Freitag war ich wieder fit und so machte ich gleich dienstplangemaess meinen 24h-turno.
In der Frueh fragte uns José, ein Arzt im Hospitalito und mein turno-Kollege, ob wir nicht am naechsten Tag mit ihm in seine Heimatstadt Xela fahren wollten. Das war eh fuer 2 Wochen spaeter geplant. Wir sagten spontan zu.
Der Turno mit ihm verlief dann noch recht spannend.
Neben einigen anderen fuer mich sehr interessanten Praemieren die ich hier (mit Ruecksicht auf manche Leser) nicht weiter ausfuehren moechte holte ich um 23.30 "mein" erstes Kind auf die Welt! Ich hatte schon bei mehreren Kaiserschnitten assistiert (auch als 1. Assistenz), aber eine Geburt zu leiten ist dann doch noch mal was anderes.
Um 2:00 war ich dann im Bett. Um 4:00 wurde ich geweckt, es gaebe einen Patienten. In der Notaufnahme wunderte ich mich das José nicht da war - ich war als einziger geweckt worden (wieder eine Praemiere). Der Patient war recht typisch fuer das Hospitalito/ Santiago, deswegen moechte ich kurz ein wenig davon erzaehlen:
Der Patient war ein 15-jaehriges Buerschchen. Auf dem Triage-zettel stand als Konsultationsgrund "debilidad" - Schwaeche.
Total schlaftrunken spulte ich mechanisch ein Standardprogramm ab. Was ihm denn fehle? - er fuehle sich schwach - seit wann denn? - seit 1:00 - seit 3 Stunden??? - ja - es folgte der Rest der Anamnese die praktisch nichts auffaelliges ergab, ausser, dass er sich seit 3 Stunden "schwach" fuehle, ohne das konkretisieren zu koennen. Ich erlaubte mir die Frage, warum er denn unedingt jetzt, mitten in der Nacht, in die Notaufnahme kommen muesse. Leider verstand er mit seinem wenigen Spanisch die Frage nicht und auch auf Tz'utujil uebersetzt war es ihm noch nicht klar, was ich meinte. Schade.
In meiner Schlaftrunkenheit glaubte ich tatsaechlich die ganze Zeit noch, "da muss doch was sein, der hat doch irgendwas...".
Ich machte also einen kompletten (!) Status inklusive kompletten (!!) Neurostatus. Natuerlich vollkommen ergebnislos. Etwas frustriert fragte ich schliesslich, was er sich denn von mir erwarte. "nur ein paar Vitamine, Herr Doktor...".
Grossartig.
Ich suchte ihm ein paar Zucker-Vitamintabletten aus der Apotheke zusammen, schrieb ihm ein ganz wichtig aussehendes Rezept wie er denn die Zuckerl einzunehmen habe und kam mir dabei ein wenig vor wie ein Teddydoc. (Anm.: Das Teddybaerkrankenhaus ist ein Projekt der AMSA in dem wir jaehrlich mehrere hundert Kuscheltiere verarzten um Kindern das Mysterium Krankenhaus zu erklaeren).
Beim bezahlen der Rechnung (2,10€ fuer Vitamintabletten, 5,00€ fuer die Konsultation) quatschte der Pfleger noch ein wenig mit dem Patienten auf Tz'utujil. Ich stand daneben und starrte Loecher in die Luft. Ploetzlich meinte der Pfleger: "Ich glaube er hat gekrampft". Mein erster Gedanke war "Neeeeein, das darf doch nicht wahr sein! Bitte lass es nicht wahr sein, sonst muss ich José wecken, wir muessen ihn aufnehmen und das bedeutet mehr Arbeit und weniger schlafen!" - Hups...
Waehrend Anamnese und Untersuchung hatte der Patient wohl gemerkt kein! Wort in die Richtung angedeutet, noch hatte ich Anzeichen dafuer gefunden.
Auf genauere Nachfrage stellte sich allerdins heraus, dass er wohl lediglich aus dem Bett gefallen war, sich den Kopf angehauen hatte, einen Brummschaedel hatte, danach wachlag und sich Sorgen gemacht hatte.
Puh....
Danach konnte ich leider nicht mehr einschlafen; ich stieg also morgens um 10:00 mit 2 Stunden Schlaf in die Lancha (Motorboot) nach Panajachel.
Die Lancha war total vollgestopft, mit 17 Mann an Bord war sie mehr als voll besetzt. Sobald wir auf offenem Wasser waren stellte sich der Lago Atitlán als sehr unruhig heraus. Dummerweise fuhren wir auch noch gegen Windrichtung, so dass wir ganz schoen ueber die Wellen huepften. Die Wellen wurden auf offenem Wasser bis zu 1,5m hoch und nach jedem Wellenberg tauchten wir fast mit dem Bug in die naechste Welle ein. Die Leute wurden unruhig, der Steuermann verteilte das Gewicht um. Aenderte nichts. José neben mir, ein ehemaliger Nationalkaderschwimmer, zog sich schon mal die Schuhe aus damit er nachher leichter schwimmen konnte. Endlich entschloss sich der Steuermann zu wenden und zurueck nach Santiago zu fahren. Grosses Aufatmen. Wir landeten dann aber schliesslich an einem Steg ausserhalb von Santiago.
Nach einem laengeren Spaziergang wurden wir dann schliesslich auf der Ladeflaeche eines Pickups stehend nach San Lucas gebracht, von dort ging es mit einem Chickenbus nach Los Encuentros, von dort mit einem weiteren Bus kurz vor Xela und dann mit einem weiteren Bus ins Zentrum von Xela. Nach 3 oder 4 Microbussen waren wir dann schon bei José daheim und wurden von seinen Eltern sehr sehr freundlich aufgenommen.
Wir schauten uns die Stadt an, schliefen ein Stuendchen und gingen Abends mit José und einigen Freunden fort. Fortgehen in Xela ist nicht ganz so spektakulaer, da alle Lokale um 24:00 schliessen muessen.
Zum Glueck gibt es da "du weisst schon, diese Bar..", deren Besitzer einen Deal mit der Polizei gemacht hat und so rund um die Uhr offen hat und Alkohol verkauft. Ausserdem darf man bei ihm rauchen, was man sonst im ganzen Land nicht darf. Klingt alles ein wenig dubios? Ist es auch. Unsicher ist es trotzdem nicht, weil 3 fruendliche Gentlemen mit Pumpguns an der Tuer stehen und aufpassen, dass alle brav bleiben.
Nachdem wir bis 11:00 am Sonntag geschlafen hatten standen wir auf, fruehstuckten und wollten unseren Plan umsetzen, die Laguna Chicabal zu besuchen, einen Wassergefuellten Vulkankrater ausserhalb von Xela.
Nach einigem hin und her und wieder zurueck hatten wir uns schliesslich ein Auto ausgeliehen und fuhren zur Laguna. Um nicht so weit laufen zu muessen fuhren wir so weit wie moeglich mit dem Auto. D.h.: José fuhr, wir liefen hinterher, weil das Auto die wahnsinnige Steigung sonst nicht geschafft haette. Mit kochendem Motor liessen wir das Auto dann schliesslich stehen und wanderten noch eine knappe Stunde zur Laguna.
Diese ist uebrigens ein heiliger Ort fuer die Maya. (Das absurdestes an der Wanerung war, dass es ziemlich steil war, sowohl bergauf als auch bergab und ich die ganze Zeit ein Stueck Torte auf der Hand balancierte das wir uns als Nachtisch mitgenommen hatten. Das stelle man sich bitte bildlich vor)
Am Ufer angekommen picknickten wir. Es gab ein ganzes Grillhendl mit Tortillas. Leider hatten wir kein Besteck, so dass das Picknick am heiligen See der Maya eine sehr urige Erfahrung war.
Zurueck beim Auto war es schon dunkel. Bergab starb staendig der Motor ab was angesicht der Steigung wiederum recht ... aufregend war. Wir schafften es aber sicher nach Xela. Heute, am Montag, fuhren wir dann allein wieder zurueck nach Santiago. Diesmal war der Weg ein Klacks. ;)
Erwaehenswert ist uebrigens das "oeffentliche Verkehrssystem" in Xela: hunderte kleine asiatische Minibusse (Toyota, Kia...) mit 12 Sitzplaetzen, die regelmaessig mit bis zu 2 Personen vollgestopft werden (ich habe sie gezaehlt! Nicht uebertrieben!). Jeder Platz wird doppelt besetzt und ein paar stehen dann noch... die kleinen Maya muessen sich auch nur ein bisschen ducken. Sebi stand total verkruemmt da....
auf dem Pickup
im Chickenbus
in Xela
am See
In der Frueh fragte uns José, ein Arzt im Hospitalito und mein turno-Kollege, ob wir nicht am naechsten Tag mit ihm in seine Heimatstadt Xela fahren wollten. Das war eh fuer 2 Wochen spaeter geplant. Wir sagten spontan zu.
Der Turno mit ihm verlief dann noch recht spannend.
Neben einigen anderen fuer mich sehr interessanten Praemieren die ich hier (mit Ruecksicht auf manche Leser) nicht weiter ausfuehren moechte holte ich um 23.30 "mein" erstes Kind auf die Welt! Ich hatte schon bei mehreren Kaiserschnitten assistiert (auch als 1. Assistenz), aber eine Geburt zu leiten ist dann doch noch mal was anderes.
Um 2:00 war ich dann im Bett. Um 4:00 wurde ich geweckt, es gaebe einen Patienten. In der Notaufnahme wunderte ich mich das José nicht da war - ich war als einziger geweckt worden (wieder eine Praemiere). Der Patient war recht typisch fuer das Hospitalito/ Santiago, deswegen moechte ich kurz ein wenig davon erzaehlen:
Der Patient war ein 15-jaehriges Buerschchen. Auf dem Triage-zettel stand als Konsultationsgrund "debilidad" - Schwaeche.
Total schlaftrunken spulte ich mechanisch ein Standardprogramm ab. Was ihm denn fehle? - er fuehle sich schwach - seit wann denn? - seit 1:00 - seit 3 Stunden??? - ja - es folgte der Rest der Anamnese die praktisch nichts auffaelliges ergab, ausser, dass er sich seit 3 Stunden "schwach" fuehle, ohne das konkretisieren zu koennen. Ich erlaubte mir die Frage, warum er denn unedingt jetzt, mitten in der Nacht, in die Notaufnahme kommen muesse. Leider verstand er mit seinem wenigen Spanisch die Frage nicht und auch auf Tz'utujil uebersetzt war es ihm noch nicht klar, was ich meinte. Schade.
In meiner Schlaftrunkenheit glaubte ich tatsaechlich die ganze Zeit noch, "da muss doch was sein, der hat doch irgendwas...".
Ich machte also einen kompletten (!) Status inklusive kompletten (!!) Neurostatus. Natuerlich vollkommen ergebnislos. Etwas frustriert fragte ich schliesslich, was er sich denn von mir erwarte. "nur ein paar Vitamine, Herr Doktor...".
Grossartig.
Ich suchte ihm ein paar Zucker-Vitamintabletten aus der Apotheke zusammen, schrieb ihm ein ganz wichtig aussehendes Rezept wie er denn die Zuckerl einzunehmen habe und kam mir dabei ein wenig vor wie ein Teddydoc. (Anm.: Das Teddybaerkrankenhaus ist ein Projekt der AMSA in dem wir jaehrlich mehrere hundert Kuscheltiere verarzten um Kindern das Mysterium Krankenhaus zu erklaeren).
Beim bezahlen der Rechnung (2,10€ fuer Vitamintabletten, 5,00€ fuer die Konsultation) quatschte der Pfleger noch ein wenig mit dem Patienten auf Tz'utujil. Ich stand daneben und starrte Loecher in die Luft. Ploetzlich meinte der Pfleger: "Ich glaube er hat gekrampft". Mein erster Gedanke war "Neeeeein, das darf doch nicht wahr sein! Bitte lass es nicht wahr sein, sonst muss ich José wecken, wir muessen ihn aufnehmen und das bedeutet mehr Arbeit und weniger schlafen!" - Hups...
Waehrend Anamnese und Untersuchung hatte der Patient wohl gemerkt kein! Wort in die Richtung angedeutet, noch hatte ich Anzeichen dafuer gefunden.
Auf genauere Nachfrage stellte sich allerdins heraus, dass er wohl lediglich aus dem Bett gefallen war, sich den Kopf angehauen hatte, einen Brummschaedel hatte, danach wachlag und sich Sorgen gemacht hatte.
Puh....
Danach konnte ich leider nicht mehr einschlafen; ich stieg also morgens um 10:00 mit 2 Stunden Schlaf in die Lancha (Motorboot) nach Panajachel.
Die Lancha war total vollgestopft, mit 17 Mann an Bord war sie mehr als voll besetzt. Sobald wir auf offenem Wasser waren stellte sich der Lago Atitlán als sehr unruhig heraus. Dummerweise fuhren wir auch noch gegen Windrichtung, so dass wir ganz schoen ueber die Wellen huepften. Die Wellen wurden auf offenem Wasser bis zu 1,5m hoch und nach jedem Wellenberg tauchten wir fast mit dem Bug in die naechste Welle ein. Die Leute wurden unruhig, der Steuermann verteilte das Gewicht um. Aenderte nichts. José neben mir, ein ehemaliger Nationalkaderschwimmer, zog sich schon mal die Schuhe aus damit er nachher leichter schwimmen konnte. Endlich entschloss sich der Steuermann zu wenden und zurueck nach Santiago zu fahren. Grosses Aufatmen. Wir landeten dann aber schliesslich an einem Steg ausserhalb von Santiago.
Nach einem laengeren Spaziergang wurden wir dann schliesslich auf der Ladeflaeche eines Pickups stehend nach San Lucas gebracht, von dort ging es mit einem Chickenbus nach Los Encuentros, von dort mit einem weiteren Bus kurz vor Xela und dann mit einem weiteren Bus ins Zentrum von Xela. Nach 3 oder 4 Microbussen waren wir dann schon bei José daheim und wurden von seinen Eltern sehr sehr freundlich aufgenommen.
Wir schauten uns die Stadt an, schliefen ein Stuendchen und gingen Abends mit José und einigen Freunden fort. Fortgehen in Xela ist nicht ganz so spektakulaer, da alle Lokale um 24:00 schliessen muessen.
Zum Glueck gibt es da "du weisst schon, diese Bar..", deren Besitzer einen Deal mit der Polizei gemacht hat und so rund um die Uhr offen hat und Alkohol verkauft. Ausserdem darf man bei ihm rauchen, was man sonst im ganzen Land nicht darf. Klingt alles ein wenig dubios? Ist es auch. Unsicher ist es trotzdem nicht, weil 3 fruendliche Gentlemen mit Pumpguns an der Tuer stehen und aufpassen, dass alle brav bleiben.
Nachdem wir bis 11:00 am Sonntag geschlafen hatten standen wir auf, fruehstuckten und wollten unseren Plan umsetzen, die Laguna Chicabal zu besuchen, einen Wassergefuellten Vulkankrater ausserhalb von Xela.
Nach einigem hin und her und wieder zurueck hatten wir uns schliesslich ein Auto ausgeliehen und fuhren zur Laguna. Um nicht so weit laufen zu muessen fuhren wir so weit wie moeglich mit dem Auto. D.h.: José fuhr, wir liefen hinterher, weil das Auto die wahnsinnige Steigung sonst nicht geschafft haette. Mit kochendem Motor liessen wir das Auto dann schliesslich stehen und wanderten noch eine knappe Stunde zur Laguna.
Diese ist uebrigens ein heiliger Ort fuer die Maya. (Das absurdestes an der Wanerung war, dass es ziemlich steil war, sowohl bergauf als auch bergab und ich die ganze Zeit ein Stueck Torte auf der Hand balancierte das wir uns als Nachtisch mitgenommen hatten. Das stelle man sich bitte bildlich vor)
Am Ufer angekommen picknickten wir. Es gab ein ganzes Grillhendl mit Tortillas. Leider hatten wir kein Besteck, so dass das Picknick am heiligen See der Maya eine sehr urige Erfahrung war.
Zurueck beim Auto war es schon dunkel. Bergab starb staendig der Motor ab was angesicht der Steigung wiederum recht ... aufregend war. Wir schafften es aber sicher nach Xela. Heute, am Montag, fuhren wir dann allein wieder zurueck nach Santiago. Diesmal war der Weg ein Klacks. ;)
Erwaehenswert ist uebrigens das "oeffentliche Verkehrssystem" in Xela: hunderte kleine asiatische Minibusse (Toyota, Kia...) mit 12 Sitzplaetzen, die regelmaessig mit bis zu 2 Personen vollgestopft werden (ich habe sie gezaehlt! Nicht uebertrieben!). Jeder Platz wird doppelt besetzt und ein paar stehen dann noch... die kleinen Maya muessen sich auch nur ein bisschen ducken. Sebi stand total verkruemmt da....
auf dem Pickup
im Chickenbus
in Xela
am See
Donnerstag, 10. Februar 2011
Santiago Atitlán - Zwischenstand
Wir sind jetzt seit knapp 3 Wochen hier.
Die Arbeit macht nach wie vor viel Spass, wir koennen sehr selbststaendig arbeiten und es kommen immer mehr tolle Aerzte aus den Staaten von denen wir lernen koennen.
Das Spital an sich andererseits frustriert mich immer mehr. Ich habe nicht (mehr) den Eindruck, dass es ein Spital ist um den "aermsten der Armen zu helfen" (Mission Statement); vielmehr habe ich den Eindruck, dass sie versuchen ein Spital nach westlichen Massstaeben aufzur bauen.
Die Arbeitsablaeufe an sich sind langsam und ineffizient, was die Arbeit oft sehr frustrierend macht.
Zuletzt scheint kein Interesse vorhanden zu sein, Gesundheits- Bildungs- odeEntwicklungszusammenarbeitsprojekte wirklich zum laufen zu bekommen. Ideen und Potential gibt es zuhauf (und das seit Jahren), nur fehlt der Wille mal damit anzufangen (oder das Interesse?).
Das ist sehr sehr traurig und fuehrt zu meiner Conclusio das Projekt nicht weiter (zB von AMSA-Seite) zu unterstuetzen.
Jenseits des Spitals entdecken wir erst langsam, dass es auch schoene Seiten von Santiago gibt. Die Stadt selber sehe ich nach wie vor als graues, staubiges Loch. Sobald man aber ein wenig ausserhalb geht oder einen der "Gringo-Orte" besucht, zB die Posada Santiago oder das Hotel Bamboo, zwei Hotels hier die uns Volunteers sehr freundlich gegenueber stehen, so lernt man die Schoenheit dieses Ortes bewundern. Auch die Tatsache, dass es dort exzellentes Essen, fantastischen Kaffee und Kuchen gibt und nicht zuletzt nette Gespraeche mit Leuten aus unserem Kulturkreis macht beide Orte willkommene Ausflugsziele.
Seit Dienstag habe ich eine Streptokokkenangina; dank Antibiotikum und Novalgin geht e mir ganz gut und ich kann mal ein paar freie Tage geniessen - die letzten Wochen mit jew. 72h Arbeit waren doch recht anstrengend.
auf dem Weg zur Posada - Abenddaemmerung
bei der Posada tagsueber
ein Kolibri!!!
auf dem Weg zur Posada - Abenddaemmerung
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo - Blick Richtung Santiago
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo bei Angeln
Die Arbeit macht nach wie vor viel Spass, wir koennen sehr selbststaendig arbeiten und es kommen immer mehr tolle Aerzte aus den Staaten von denen wir lernen koennen.
Das Spital an sich andererseits frustriert mich immer mehr. Ich habe nicht (mehr) den Eindruck, dass es ein Spital ist um den "aermsten der Armen zu helfen" (Mission Statement); vielmehr habe ich den Eindruck, dass sie versuchen ein Spital nach westlichen Massstaeben aufzur bauen.
Die Arbeitsablaeufe an sich sind langsam und ineffizient, was die Arbeit oft sehr frustrierend macht.
Zuletzt scheint kein Interesse vorhanden zu sein, Gesundheits- Bildungs- odeEntwicklungszusammenarbeitsprojekte wirklich zum laufen zu bekommen. Ideen und Potential gibt es zuhauf (und das seit Jahren), nur fehlt der Wille mal damit anzufangen (oder das Interesse?).
Das ist sehr sehr traurig und fuehrt zu meiner Conclusio das Projekt nicht weiter (zB von AMSA-Seite) zu unterstuetzen.
Jenseits des Spitals entdecken wir erst langsam, dass es auch schoene Seiten von Santiago gibt. Die Stadt selber sehe ich nach wie vor als graues, staubiges Loch. Sobald man aber ein wenig ausserhalb geht oder einen der "Gringo-Orte" besucht, zB die Posada Santiago oder das Hotel Bamboo, zwei Hotels hier die uns Volunteers sehr freundlich gegenueber stehen, so lernt man die Schoenheit dieses Ortes bewundern. Auch die Tatsache, dass es dort exzellentes Essen, fantastischen Kaffee und Kuchen gibt und nicht zuletzt nette Gespraeche mit Leuten aus unserem Kulturkreis macht beide Orte willkommene Ausflugsziele.
Seit Dienstag habe ich eine Streptokokkenangina; dank Antibiotikum und Novalgin geht e mir ganz gut und ich kann mal ein paar freie Tage geniessen - die letzten Wochen mit jew. 72h Arbeit waren doch recht anstrengend.
auf dem Weg zur Posada - Abenddaemmerung
bei der Posada tagsueber
ein Kolibri!!!
auf dem Weg zur Posada - Abenddaemmerung
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo - Blick Richtung Santiago
auf dem Steg des Hotel Bamboo
auf dem Steg des Hotel Bamboo bei Angeln
Freitag, 4. Februar 2011
Santiago Atitlán - die ersten 2 Wochen
ouf, jetzt sind wir schon seit 2 Wochem hier (heute auf den Tag genau) und ich habe noch keinen einzigen Eintrag geschrieben. Das spricht doch fuer sich!
Also zunaechst einmal: uns gehts gut und wir sind gesund.
Wir sind in einer 12-koepfigen Familie untergebracht, jeder hat zum Glueck ein eigenes Zimmer. Seit gestern wohnt hier auch noch eine hollaendische Krankenschwester was das ganze deutlich angenehmer macht weil der Grossteil der Familie nur Tz'utujil spricht so dass wir so nebeneinander her leben.
Zu Essen gibts Eier (Ruehrei oder Omelett), Frijoles (Bohnen als Suppe, mit Sosse oder pueriert), Reis mit Fleisch oder Nudeln mit Fleisch, alles in jeder erdenklichen Kombiantion, auch zum Fruehstueck (heute zB: Eierreis). Dazu gibts immer (immer, immer, immer...) kleine guatemaltekische Tortillas die die Frauen des Hauses den ganzen Tag selbst machen. Das Essen ist nicht schlecht, nur immer das gleiche, und enorm Kohlenhydrat-haltig.
Santiago ist eine recht grosse Stadt (50.000 Einwohner), allerdings sehr sehr konservativ und traditionell.
Man sieht kaum eine Frau die nicht in Tracht rumlaeuft. Die Maenner tragen meist westliche Kleidung.
Santiago hat vor allem zwei Probleme: es ist arm und die Bildungsstand ist nicht sonderlich hoch.
Selbst die oeffentliche Schule kostet etwas so dass sich viele Familien keine Schulbildung leisten koennen.
Da in den Familien Tz'utujil gesprochen wird und die Kinder erst in der Schule Spanisch lernen (dort wird dann allerdings nur Spanisch gesprochen, Tz'utujil-Unterricht gibt es nicht...) sprechen viele Leute also wenig bis kein Spanisch. Spanisch wiederum ist aber Amtssprache und alle oeffentlichen Geschaefte werden darin abgewickelt; das fuehrt dazu, dass ein Grossteil der Bevoelkerung (60% nur Tz'utujil-sprachige in Santiago) von wesentlichen Alltagsgeschaeften ausgegrenzt sind.
Die andere Kultur ist ein ganz wesentlicher Anteil unserer Alltagsarbeit neben der eigentlichen Behandlung selbst.
So muss frischen Eltern erst erklaert werden, dass man nicht das Gesicht des Neugeborenen abdecken sollte (der Schutz gegen boese Geister).
Wenn wir Ernaehrungsempfehlungen geben werden wir stets gefragt ob die Speisen kalt oder warm eingenommen werden sollen. Wenn wir nicht darauf eingehen oder es nicht von uns selbst aus erwaehnen werden wir fuer ungebildet gehalten. Schliesslich weiss doch jeder gute Maya, dass die warme Nahrung einer Schwangeren das Kind schaedigt.
Wenn wir einem Diabetiker erklaeren, dass er auf Cola verzichten sollte kommt fast obligatorisch die Frage: "aber Fanta geht schon, oder?"; wenn wir auch das negieren wird nach Sprite gefragt usw.
Das ganze geschieht selbstverstaendlich durch Pflegekraefte als Uebersetzer.
An Krankheiten begegnet hier uns sehr oft COPD (chron. Lungenerkrankung, in unseren Breiten als "Raucherlunge" bekannt), allerdings meist nur bei Frauen - sie kochen meist an Holzoefen ohne Abzug, so dass sie schon ab 30 Husten wie bei uns nur die Teerlungen.
Diabetes und Bluthochdruck sind wegen des praktisch nicht-existenten Gesundheitsbewusstseins (zumindest so wie wir es verstehen) sehr weit verbreitet und oft ist die Behandlungsbereitschaft der Patienten gering. Die Medikamente sind teuer und laestig und beides sind Krankheiten die man unmittelbar erst an ihren Spaetfolgen merkt.
Haeufig sind auch Kraetze, Giardiasis und Amoeben-Ruhr.
Das Hospitalito Atitlan ist seit Ende November 2010 in einem grossartigen Neubau untergebracht der immer noch im Bau begriffen ist. Fuer ambulante Patienen verfuegen wir momentan ueber drei Sprechzimmer, zweimal die Woche Akupunktursprechstunde in einem vierten Sprechzimmer sowie eine fast fertige Zahnarztpraxis (aber noch keinen Zahnarzt). Fuer Notfallpatienten bieten wir eine 24/7-Notaufnahme mit vier Betten, einem EKG (das bei jedem Patienten markante Hebungen inV1-V3 anzeigt - Herzinfarkt), Moeglichkeit zur Intuabtion (aber keine zur Beatmung) sowie diverses chirurgisches Material. Auch die Kreiszzimmer mit vier Betten sind rund um die Uhr bereit. Die kleine Krankenstation bietet momentan fuenf Betten von denen meist 2-3 belegt sind. Schliesslich verfuegen wir ueber einen einen OP fuer kleinere Eingriffe und Kaiserschnitte inkl. eingener Sterilisation.
Das aerztliche Personal setzt sich aus insges. 5 guatemaltekischen Aerzten, 2 Langzeit-Volunteers aus den USA und einer staendig wechselnden Menge aus Studenten und Fachaerzten aus aller Welt zusammen, momentan: Sebi und ich, Silivia aus Spanien, Erin und Scott aus den USA, Guy, Internist aus den USA und Kathleen, Gynaekologin, USA.
Das Pflegepersonal ist guatemaltekisch, momentan unterstuetzt von Megan aus den USA und Sandra aus Holland.
Waehrend eines Tages arbeiten in der Notaufnahme ein Arzt und ein Student sowie 1-2 Pfleger; auf der Station sind 2 weitere Pfleger. In den consultorios arbeiten 3 Aerzte (davon ein Gynaekologe) und 2 Studenten sowie 2 Pfleger.
In der Notaufnahme sehen wir 6-12 Patienten pro Tag, in den consultorios sieht jeder Arzt etwa 8 Patienten.
Da wir das einzige Spital mit Notaufnahme und ernstzunehmender Sprechstunde im Umkreis von mind. 3h sind bekommen wir von Gynaekologie, Paediatrie und Geriatrie ueber Trauma und Ortho bis zu Derma, HNO und natuerlich Innere wirklich alles zu sehen.
Das macht die Arbeit natuerlich sehr reizvoll.
Was machen wir eigentlich so?
Als Studenten sind wir immer einem Arzt zugeteilt; meistens arbeiten wir allein (oft ganz allein, manchmal unter Supervision) manchmal unter Drauf-sicht; hin und wieder schauen wir auch nur zu (meist bei Gyn).
IdR erheben wir also unsere Anamnese, untersuchen, ordnen Tests an (sehr begrenzt, da jeder Test fuer die Patienten viel Geld kostet), praesentieren das dann unserem Kollegen und besprechen die Therapie. Wenn viel los ist machen wir aber auch das oft schon alleine.
Etwas gruselig war es am Anfang schon wenn man unter ein Rezept seinen eigenen Namen setzt, unterschreibt und zum Schluss dem Patienten einen Termin zur Wiedervorstellung mit dem eigenen Namen drunter in die Hand drueckt, aber man gewoehnt sich dran.
Insgesamt ist die Arbeit also sehr interessant und macht Spass, die Aerzte (v.a. die Amerikaner) sind grossartig, nett und man lernt viel.
Die Freizeitgestaltung ist hier ein wenig eingeschraenkt und Santiago ist auch keine wirklich schoene Stadt, aber es geht schon.
Eine Abschiedsanekdote habe ich in dem Sinne gerade nicht zur Hand, aber zu berichten, dass ich unter all den Mayapatienten auch ein paar Gringos hatte und tatsaechlich: eine Duesseldorferin und eine Dame aus Bad Oeynhausen. War nett auch mal wieder ein Patientengespraech auf Deutsch zu haben.
mein Zimmer
Blick von der Terrasse unseres Hauses auf dem Vulkan San Pedro
Blick auf Santiago
Hospitalito Notaufnahme
Hospitalito Notaufnahme
Also zunaechst einmal: uns gehts gut und wir sind gesund.
Wir sind in einer 12-koepfigen Familie untergebracht, jeder hat zum Glueck ein eigenes Zimmer. Seit gestern wohnt hier auch noch eine hollaendische Krankenschwester was das ganze deutlich angenehmer macht weil der Grossteil der Familie nur Tz'utujil spricht so dass wir so nebeneinander her leben.
Zu Essen gibts Eier (Ruehrei oder Omelett), Frijoles (Bohnen als Suppe, mit Sosse oder pueriert), Reis mit Fleisch oder Nudeln mit Fleisch, alles in jeder erdenklichen Kombiantion, auch zum Fruehstueck (heute zB: Eierreis). Dazu gibts immer (immer, immer, immer...) kleine guatemaltekische Tortillas die die Frauen des Hauses den ganzen Tag selbst machen. Das Essen ist nicht schlecht, nur immer das gleiche, und enorm Kohlenhydrat-haltig.
Santiago ist eine recht grosse Stadt (50.000 Einwohner), allerdings sehr sehr konservativ und traditionell.
Man sieht kaum eine Frau die nicht in Tracht rumlaeuft. Die Maenner tragen meist westliche Kleidung.
Santiago hat vor allem zwei Probleme: es ist arm und die Bildungsstand ist nicht sonderlich hoch.
Selbst die oeffentliche Schule kostet etwas so dass sich viele Familien keine Schulbildung leisten koennen.
Da in den Familien Tz'utujil gesprochen wird und die Kinder erst in der Schule Spanisch lernen (dort wird dann allerdings nur Spanisch gesprochen, Tz'utujil-Unterricht gibt es nicht...) sprechen viele Leute also wenig bis kein Spanisch. Spanisch wiederum ist aber Amtssprache und alle oeffentlichen Geschaefte werden darin abgewickelt; das fuehrt dazu, dass ein Grossteil der Bevoelkerung (60% nur Tz'utujil-sprachige in Santiago) von wesentlichen Alltagsgeschaeften ausgegrenzt sind.
Die andere Kultur ist ein ganz wesentlicher Anteil unserer Alltagsarbeit neben der eigentlichen Behandlung selbst.
So muss frischen Eltern erst erklaert werden, dass man nicht das Gesicht des Neugeborenen abdecken sollte (der Schutz gegen boese Geister).
Wenn wir Ernaehrungsempfehlungen geben werden wir stets gefragt ob die Speisen kalt oder warm eingenommen werden sollen. Wenn wir nicht darauf eingehen oder es nicht von uns selbst aus erwaehnen werden wir fuer ungebildet gehalten. Schliesslich weiss doch jeder gute Maya, dass die warme Nahrung einer Schwangeren das Kind schaedigt.
Wenn wir einem Diabetiker erklaeren, dass er auf Cola verzichten sollte kommt fast obligatorisch die Frage: "aber Fanta geht schon, oder?"; wenn wir auch das negieren wird nach Sprite gefragt usw.
Das ganze geschieht selbstverstaendlich durch Pflegekraefte als Uebersetzer.
An Krankheiten begegnet hier uns sehr oft COPD (chron. Lungenerkrankung, in unseren Breiten als "Raucherlunge" bekannt), allerdings meist nur bei Frauen - sie kochen meist an Holzoefen ohne Abzug, so dass sie schon ab 30 Husten wie bei uns nur die Teerlungen.
Diabetes und Bluthochdruck sind wegen des praktisch nicht-existenten Gesundheitsbewusstseins (zumindest so wie wir es verstehen) sehr weit verbreitet und oft ist die Behandlungsbereitschaft der Patienten gering. Die Medikamente sind teuer und laestig und beides sind Krankheiten die man unmittelbar erst an ihren Spaetfolgen merkt.
Haeufig sind auch Kraetze, Giardiasis und Amoeben-Ruhr.
Das Hospitalito Atitlan ist seit Ende November 2010 in einem grossartigen Neubau untergebracht der immer noch im Bau begriffen ist. Fuer ambulante Patienen verfuegen wir momentan ueber drei Sprechzimmer, zweimal die Woche Akupunktursprechstunde in einem vierten Sprechzimmer sowie eine fast fertige Zahnarztpraxis (aber noch keinen Zahnarzt). Fuer Notfallpatienten bieten wir eine 24/7-Notaufnahme mit vier Betten, einem EKG (das bei jedem Patienten markante Hebungen inV1-V3 anzeigt - Herzinfarkt), Moeglichkeit zur Intuabtion (aber keine zur Beatmung) sowie diverses chirurgisches Material. Auch die Kreiszzimmer mit vier Betten sind rund um die Uhr bereit. Die kleine Krankenstation bietet momentan fuenf Betten von denen meist 2-3 belegt sind. Schliesslich verfuegen wir ueber einen einen OP fuer kleinere Eingriffe und Kaiserschnitte inkl. eingener Sterilisation.
Das aerztliche Personal setzt sich aus insges. 5 guatemaltekischen Aerzten, 2 Langzeit-Volunteers aus den USA und einer staendig wechselnden Menge aus Studenten und Fachaerzten aus aller Welt zusammen, momentan: Sebi und ich, Silivia aus Spanien, Erin und Scott aus den USA, Guy, Internist aus den USA und Kathleen, Gynaekologin, USA.
Das Pflegepersonal ist guatemaltekisch, momentan unterstuetzt von Megan aus den USA und Sandra aus Holland.
Waehrend eines Tages arbeiten in der Notaufnahme ein Arzt und ein Student sowie 1-2 Pfleger; auf der Station sind 2 weitere Pfleger. In den consultorios arbeiten 3 Aerzte (davon ein Gynaekologe) und 2 Studenten sowie 2 Pfleger.
In der Notaufnahme sehen wir 6-12 Patienten pro Tag, in den consultorios sieht jeder Arzt etwa 8 Patienten.
Da wir das einzige Spital mit Notaufnahme und ernstzunehmender Sprechstunde im Umkreis von mind. 3h sind bekommen wir von Gynaekologie, Paediatrie und Geriatrie ueber Trauma und Ortho bis zu Derma, HNO und natuerlich Innere wirklich alles zu sehen.
Das macht die Arbeit natuerlich sehr reizvoll.
Was machen wir eigentlich so?
Als Studenten sind wir immer einem Arzt zugeteilt; meistens arbeiten wir allein (oft ganz allein, manchmal unter Supervision) manchmal unter Drauf-sicht; hin und wieder schauen wir auch nur zu (meist bei Gyn).
IdR erheben wir also unsere Anamnese, untersuchen, ordnen Tests an (sehr begrenzt, da jeder Test fuer die Patienten viel Geld kostet), praesentieren das dann unserem Kollegen und besprechen die Therapie. Wenn viel los ist machen wir aber auch das oft schon alleine.
Etwas gruselig war es am Anfang schon wenn man unter ein Rezept seinen eigenen Namen setzt, unterschreibt und zum Schluss dem Patienten einen Termin zur Wiedervorstellung mit dem eigenen Namen drunter in die Hand drueckt, aber man gewoehnt sich dran.
Insgesamt ist die Arbeit also sehr interessant und macht Spass, die Aerzte (v.a. die Amerikaner) sind grossartig, nett und man lernt viel.
Die Freizeitgestaltung ist hier ein wenig eingeschraenkt und Santiago ist auch keine wirklich schoene Stadt, aber es geht schon.
Eine Abschiedsanekdote habe ich in dem Sinne gerade nicht zur Hand, aber zu berichten, dass ich unter all den Mayapatienten auch ein paar Gringos hatte und tatsaechlich: eine Duesseldorferin und eine Dame aus Bad Oeynhausen. War nett auch mal wieder ein Patientengespraech auf Deutsch zu haben.
mein Zimmer
Blick von der Terrasse unseres Hauses auf dem Vulkan San Pedro
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